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  Fotografie als Kunst im Öffentlichen Raum - ein Gespräch mit Thorsten Goldberg - Seite 6


Thorsten Goldberg
Unmittelbar an der Straße steht der Bau als eine geschlossene Kiste mit drei von außen sichtbaren schmalen Fensterreihen. Der Eingang befindet sich auf der der Straße abgewandten Rückseite im Hof der Universität. Derart an die Straße vorgerückt, ist der Bau schon von weitem zu sehen. Die Fassade wird gebildet aus 17 Reihen übereinander- liegender Fotoplatten - der gesamte Bau ist also allseits überzogen mit fotografischen Schwarz-Weiß Bildern. Elf sich in Reihen wieder- holende Motive werden jeweils auf ca. 150 x 70 cm großen Fassaden- platten gezeigt. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass die Bilder als grobes Punktraster in die Betonplatten vertieft sind. In einem eigens entwickelten Verfahren auf Siebdruckbasis wurden die Motive in den Beton eingeätzt. Zusätzlich zu den schmalen Fenstern gibt es drei Reihen mit größeren Fensterbändern, die die Fassade nicht unterbrechen und von außen kaum sichtbar sind, weil sie komplett bündig mit den Betonplatten ebenfalls mit gerasterten Motiven bedruckt sind. Diese komplette Behandlung und die Geschlossenheit verstärken den Eindruck einer tätowierten Kiste. Die Wiederholung der gleichen Motive in Reihen zieht Ornamentbänder um das Gebäude. Vielfach wiederholt, fast schon ritualhaft wird der Inhalt des Baus nach außen gebracht. Die visuellen Informationen auf der Außenhaut verweisen auf den Informa- tionsgehalt der Bibliothek, sie versinnbildlichen konzentriertes Wissen. Es sind öffentliche Bilder, die aus Zeitungen und anderen Medien bekannt sind und solche, die allgemein dem Komplex Mensch und Wissen zugeordnet sind oder solche, die auf die Fachhochschule verweisen: Vater und Söhne eine Modelleisenbahn betrachtend über einer Abbildung des Flugzeugprototyps Loadmaster CBY-3 von Vicent Burnelli aus den 50er Jahren. Eine bekannte Fotografie von 1961, die Menschen zeigt, die aus Fenstern der Häuser an der Bernauer Straße springen über "Venus und Cupido" des italienischen Malers der Hochrenaissance Lorenzo Lotto. Ein großer Hirschkäfer über der Abbildung eines Gemäldes "Alexander von Humbold und Aimé Bonpland im Urwald- laboratorium am Orinoco" von Eduard Ender von 1850. Es ist eine Kunst-am-Bau-Arbeit an einem öffentlichen Gebäude, die besonders in den Außenraum hineinwirkt. Anders als es die oben beschriebenen Anweisungen vorgeben, hat hier kein konkurrierendes Wettbewerbs- verfahren mit eingeladenen Künstlern stattgefunden. Hier ist ein fertig geschnürtes Paket - Architekt und Künstler - abgeliefert worden. Eine Ausschreibung unter Beteiligung von Anwohnern und Nutzern wie im Leitfaden Kunst am Bau beschrieben, fand nicht statt. Eine solche direkte Beauftragung ohne Auswahlverfahren bringt in anderen Fällen dicke Steine vor Banken oder Pferde vor Bahnhöfen und andere Scheußlichkeiten hervor, schafft also nicht gerade Identifikation sondern löst in der Regel verständlichen Unmut und Diskussionen aus. Kunst und Architektur gehen hier jedoch eine ungewöhnlich enge Verbindung ein, die in einer aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Konstellation schwer vorstellbar wäre. Die enge Zusammenarbeit des Künstlers und der Basler Architekten Herzog & de Meuron bezieht sich auf die Entwicklung der künstlerischen Verfahrensweise ebenso wie auf die Bildauswahl. Die Motive wurden im Vorfeld in der Öffentlichkeit vorgestellt und intensiv diskutiert. Einige Motive mussten daraufhin ausgetauscht werden, und die letztendliche Auswahl der Bilder ist in einem gemeinsamen Prozess mit der damaligen Hochschulleitung, den Architekten und Thomas Ruff getroffen worden. So ist letztens Endes eine ebenso radikale wie auch wirklich schöne Lösung gelungen.
"Ohne die Fotos wäre das ein langweiliger Klotz" zitiert die Berliner Zeitung Pierre de Meuron (8.4.99, Lokales, S. 28, Susanne Rost).

Th. L. Was ist dagegen das Spezifische der Arbeiten von Frank Thiel am Checkpoint Charly – die zu einer Touristenattraktion geworden sind?

05.05.2008

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