www.fotokritik.de

Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
Beiträge '17
Beiträge '16
Beiträge '15
Beiträge '14
Beiträge '13
Beiträge '12
Beiträge '11
Beiträge '10
Beiträge '09
Beiträge '08
Beiträge '07
Beiträge '06
Beiträge '05
Bilder

Neu gelesen
Ikon-Archiv

Englische Texte




Suche
  Fotografie als Kunst im Öffentlichen Raum - ein Gespräch mit Thorsten Goldberg - Seite 9


Thorsten Goldberg
Mir fällt immer wieder auf, dass mit der Fotografie als Kunst im öffentlichen Raum und als Kunst am Bau wieder eine Abbildhaftigkeit in dieses Feld einzieht, die es hier bisher nicht so gegeben hat. Abbildung von Menschen als Skulptur in der zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum ist besetzt durch wenige relevante Positionen. Wenn ich gegossene Büsten oder Brunnenfiguren außen vor lasse, fallen mir nur wenige skulpturale Beispiele für abbildhafte menschliche Figur in der Kunst im öffentlichen Raum ein. Es ist nicht so, dass ich das vermisse - ich hätte selbst weder Bedürfnis noch eine Lösung dafür. Umgekehrt bringt die Fotografie aber genau diese Möglichkeit mit sich. So werden Menschen häufig als Verweis auf historische Zusammenhänge dargestellt oder historische Abbildungen dienen als Zitat. Natürlich ist Fotografie nicht unbedingt abbildhaft, aber es scheint ihr jedenfalls leichter von der Hand zu gehen. Abbildhaftigkeit hat in der Fotografie eine andere Bedeutung als in der Skulptur. Weil bisher Fotografie in der Kunst am Bau und auch in der Kunst im öffentlichen Raum kaum eine Rolle gespielt hat - ich erinnere mich u.a. an die damalige Ausstellung "Fotografie als Kunst im öffentlichen Raum" von Daniela Goldmann, Rupert Walser, Bernhard Wittenbrink 1991 in München, tritt nun, mit der Entwicklung des Begriffs Kunst im öffentlichen Raum und mit der Einbeziehung weiterer technischer Möglichkeiten - also durch die Einbeziehung fotografischer und auch filmischer Mittel wieder eine Abbildhaftigkeit in die Kunst am Bau und in die Kunst im öffentlichen Raum ein. Das gilt selbst für dauerhaft im Außenraum aufgestellte Arbeiten. Weiteres Beispiel hierfür ist das unweit vom ehemaligen Checkpoint Charly gelegene Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse des 17. Juni 1953. Es wurde 2000 durch einen geladenen Wettbewerb realisiert. (Der Auslober hatte entschieden, den von der Fachjury preisgekrönten Vorschlag von Katharina Karrenberg nicht zu realisieren und entschied sich für den zweitplazierten Vorschlag). Mit dem Zitat einer historischen Zeitungsfotografie der Demonstrationen im Juni 1953 erinnert Wolfgang Rüppel an diese erste Massenerhebung im Machtbereich der Sowjetunion, die vom sowjetischen Militär mit Hilfe der Volkspolizei niedergeschlagen wurde. Der Vorplatz des heutigen Bundesministeriums für Finanzen an der Ecke Wilhelmstraße / Leipziger Straße war einer der zentralen Orte des Aufstandes. Grob gerastert und doppelt auf übereinanderliegende Glasplatten gedruckt, ist das weiterbearbeitete Zeitungsbild bodenbündig in den Platz eingelassen. Mit einer abgeschrägten Steinbrüstung gerahmt und dank der grünlichen Glasfärbung assoziiert es ein Bassin, das sich sehr langgestreckt (24 x 3 m) zentral auf dem Vorplatz befindet. Eine historische Fotografie, die an diesem Ort ihren Ursprung hat, kommt heute an dieser Stelle künstlerisch bearbeitet zur Anwendung. Die Arbeit nimmt in Position und Maß Bezug auf das Wandbild Max Lingners von 1952 in der gegenüberliegenden Pfeilervorhalle. Das Propagandabild aus Meissner Porzellanfliesen ist betitelt: "Die Bedeutung des Friedens für die kulturelle Entwicklung der Menschheit und die Notwendigkeit des kämpferischen Einsatzes für ihn“. Unter den Nationalsozialisten befand sich an gleicher Stelle ein Soldatenfries des Stuttgarter Malers und Bildhauers Arnold Waldschmidt. Wir haben es also mit einer Abfolge von Bildern an diesem Ort zu tun, die unter Beibehaltung des Formats, ihre Ebene und das Material und natürlich die Bedeutung verändern und somit einen Prozess darstellen, dessen derzeitiger Endpunkt die Arbeit von Rüppel darstellt.
Zur Arbeit von Ute Lindner "Through the Looking Glass" am Savigny- Platz: Die ehemalige Torsituation eines Eingangshäuschens einer Gartenanlage aufgreifend hat Ute Lindner den Durchgang des heute als Trafostation genutzten Hauses zu einem fotografischen Illusionsraum gestaltet: Lebensgroße stehende und hockende Figuren sind auf die großen Glasflächen aufgedruckt und mit Airbrush und Pinsel ausgemalt und eingebrannt. Der ehemalige Durchgang wird so zu einem vitrinen- artigen Glaskörper, in dessen Inneren die Figuren zu stehen scheinen. Nachts sind die Gläser von hinten beleuchtet, so dass die Figuren als dunkle Shilhouetten erscheinen. Auch hier belebt die Fotografie also einen historischen Ort wieder, indem sie Figuren in den leeren Raum stellt. Letztendlich eine ziemlich einfache Strategie, die mit fotografischen Mitteln zu funktionieren scheint. Ähnliches mit plastischen Mitteln zu versuchen, wäre eher komisch.

Th. L. Noch abschließend eine konkrete Frage. Wie sollen Fotokünstler vorgehen, um erste Erfahrungen im Kunst am Bau zu sammeln? Was würdest du raten?

05.05.2008

< | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | >
Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel
google english translation
Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben
Email an den Autor

Druckversion
 
Editorial
Autoren

Forum
Newsletter

Mitarbeit
Kontakt


Impressum