www.fotokritik.de

Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
Beiträge '17
Beiträge '16
Beiträge '15
Beiträge '14
Beiträge '13
Beiträge '12
Beiträge '11
Beiträge '10
Beiträge '09
Beiträge '08
Beiträge '07
Beiträge '06
Beiträge '05
Bilder

Neu gelesen
Ikon-Archiv

Englische Texte




Suche
  President on Demand - Seite 3


Im selben "Verlag" erschien On November 4th, 2008, I transcribed the following Facebook status updates within the first two hours of Senator Barack Obama's predicted victory as the next President of the United States of America von Erik Benjamins (www.blurb.com/bookstore/detail/416859) – ein höchst ungewöhnliches Buch, wie es wohl kaum ein Verleger jemals herstellen würde. Bereits der völlig jenseits jeder merkantilen Spekulation gewählte Titel des Buchs verrät eigentlich alles, was wir über das Buch wissen müssen. Es versammelt auf 138 Seiten kurze, anonyme, meist nur einzeilige Statements, die – vermutlich ausschließlich amerikanische Facebook - Nutzer kurz nach Bekanntgabe von Obamas Wahlsieg in ihren Status-Anzeigen veröffentlichten (für Facebook - Unkundige: das sind häufig wechselnde Kurzbeschreibungen der gegenwärtigen Beschäftigung oder Befindlichkeit des jeweiligen Nutzers). Außer diesen Statements enthält das Buch nichts, nicht einmal ein Impressum.
Es ist dies zunächst einmal ein höchst verschwenderisches Buch, auf jeder Seite steht nur ein Satz und manchmal sogar weniger als das. Doch ist dieser verschwenderische Umgang mit dem Papier dem Ereignis durchaus angemessen, er spiegelt die Intensität des Moments, und dies begründet wohl auch, warum ein Buch entstand und keine weitere Website. Die in zwei Stunden zusammengetragene und unkommentiert präsentierte Sammlung ist eine Momentaufnahme eines Teils des Internets, und zwar eines jener Teile, in dem sich Menschen tummeln, die mehrheitlich zu Obamas Wählern gehören. In den aktuell veränderten Statuszeilen wurde ablesbar, welcher Druck sich vor der Wahl aufgestaut hatte und wie dieser hier eines seiner Ventile fand. Die Mehrheit der zitierten Äußerungen ist enthusiastisch, aber auch hier werden Obama-kritische Positionen nicht unterschlagen. In der Summe ergibt das ein höchst aufschlussreiches Dokument des emotional aufgeheizten Wahlabends, wobei – das ist ein recht interessanter Nebenaspekt – die Sammlung auch die Frage aufwirft, ob die zitierten Äußerungen, in denen sich Umgangssprache mit Jugend- und Internet Slang mischt, für irgend jemanden in Zukunft überhaupt noch verständlich sein werden. Es stellt sich somit die Frage, wieviel wir überhaupt über eine Zeit und eine Situation bereits wissen müssen, um ein Dokument halbwegs sinnvoll entschlüsseln zu können.

04.01.2009

< | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | >
google english translation
Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben
Druckversion
 
Editorial
Autoren

Forum
Newsletter

Mitarbeit
Kontakt


Impressum